Gülleseparator
31.03.2011 21:59:00 von Jürg Lauper
Vorführung des Gülleseparators in Zauggenried
Artikel Berner Zeitung vom Freitag, 4. März
Durch grosse Schläuche fliesst die Bschütti aus der Grube in ein Gehäuse, den Separator. Dort wird die Flüssigkeit gegen ein Sieb gepresst, sodass Feststoffe wie Stroh und Futterreste hängen bleiben. Nun spuckt die Maschine diese Stoffe aus. Sie landen auf einem Förderband, und schliesslich in einem Anhänger.
Reinigen per Knopfdruck
Die Maschine, ein schweres Ungetüm, das nur von einem Traktor gezogen werden kann, ist das jüngste Kind der Firma Hadorns Gülletechnik AG in Lindenholz. Entwickelt worden ist sie auf Initiative von Firmenchef und SVP-Grossrat Christian Hadorn. Auf einem Hof in Zauggenried stellte Hadorn gestern sein «Wunderwerk» den Medien vor.
Zuerst die gute Nachricht für alle Nichtbauern mit empfindlicher Nase: Dank Hadorns neuer Maschine stinkt das Bschütten weniger. Denn hat die Bschütti einmal die Prozedur im Separator hinter sich, ist sie flüssiger als vorher. Die Bauern nennen sie dann Dünngülle. Beim Austragen auf dem Feld sickert sie somit schneller in den Boden, und der Gestank kann sich weniger intensiv entfalten.
Ein Separator für Bschütti ist an sich keine revolutionäre Neuheit. «Aber die Idee, wie alles zusammengebaut wird, ist einzigartig», sagt Hadorn. So verfügt die Anlage nicht nur über ein integriertes Förderband und einen hydraulischen Antrieb, sondern auch über einen Wassertank, der sich per Knopfdruck leert und so die Schläuche spült. Das hat seinen Preis: Die ganze Konstruktion kostet 100000 Franken. Allein der Separator schlägt mit 30000 Franken zu Buche. Die Absicht ist aber nicht, dass die Bauern nun Hadorns «Wunderwerk» anschaffen, sondern es mieten oder Lohnunternehmer anstellen, die die Arbeit ausführen.
Stalleinstreu aus Bschütti
Für die Bauern hat die Maschine laut Hadorn mehrere Vorteile. Er spricht von einem «Zwei-Nutzungs-Gerät». Weil die Dünngülle schnell versickert, verliert sie auf dem Feld weniger Düngestoffe wie Ammoniak und Stickstoff.
Der Clou ist aber: Die Feststoffe, die der Separator aussortiert, können die Bauern wieder brauchen. Gemischt mit Stroh und Kalk ergibt sich eine Einstreu für moderne Laufställe. Klaus Brenzikofer, der Präsident des bernischen Verbands für Landtechnik, räumt ein: Das möge seltsam klingen, wenn die Kühe auf getrockneter Bschütti liegen würden. Aber die Hygiene sei gewahrt, das habe das Bundesamt für Landwirtschaft bestätigt. Hinzu kommt für Brenzikofer ein «ökologischer Aspekt». Im Kanton Bern müssen viele Bauern Stroh für die Einstreu im Stall zukaufen. Nicht selten wird es aus Frankreich importiert. Wenn sie das Stroh durch die Feststoffe aus der Bschütti ersetzen könnten, entfallen die Importe. Brenzikofer denkt denn auch, dass sich die neue Anlage aus dem Hause Hadorn durchsetzen wird. «Das ist wie bei den Schleppschläuchen», sagt er. Heute gebe es fast keine Bauern mehr, die zum Bschütten eine andere Technik verwenden würden.
«Ihr könnt alles haben»
Das glaubt auch Erfinder Hadorn. Er beobachte bei den Bauern einen Trend, vermehrt solche Einstreu zu verwenden. «Wir haben jetzt die Maschine. Und wir probieren es aus.» Noch läuft die Testphase. Nun müsse sich zeigen, ob sich der Separator durchsetze. Letztlich sei es eine Frage des Preises. Und so wollen die Bauern und Lohnunternehmer bei der Präsentation in Zauggenried denn auch wissen, wie viel die Maschine in der Stunde koste. Das kann Hadorn noch nicht sagen. Aber die Wünsche seiner Kunden will er erfüllen. Ein grösseres Förderband? Mehr Separatoren? «Ihr könnt alles haben», sagt Hadorn.
(Berner Zeitung)











